Koronare Herzkrankheit: Frühzeitig vorbeugen hilft

Sie zählt zu den häufigsten Todesursachen in den Industrienationen: die koronare Herzkrankheit (KHK). Ursache ist zumeist eine Arteriosklerose (im Volksmund „Arterienverkalkung“), in deren Folge sich die Herzkranzgefäße verengen. Ablagerungen von Fett und Bindegeweben haften an den Innenwänden der Gefäße und machen die Koronararterien steif und uneben. Solche Ablagerungen („Plaque“) bestehen aus Cholesterin, Kalzium und anderen Substanzen aus dem Blut.

Im Laufe der Zeit führen sie zu einer Verengung (Stenose) der Koronararterien, also der Gefäße, die den Herzmuskel mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. „Der Durchmesser des betroffenen Blutgefäßes verkleinert sich, bis das Angebot den Bedarf an Sauerstoff nicht mehr deckt. Ein solcher Prozess kann sich über Jahre entwickeln“, erläutert Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim. Es kommt zu einer örtlichen Blutleere (Ischämie) mit einer mangelhaften Sauerstoffversorgung des Herzens (Koronarinsuffizienz).

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Der reduzierte Blutfluss verursacht vorübergehende Schmerzen im Brustkorb (Angina pectoris): eine Brustenge mit dumpfen, drückenden, einschnürenden und häufig brennenden Schmerzen hinter dem Brustbein (retrosternal). Typische Symptome sind neben den Schmerzen in der Brust auch solche in Schulter, Rücken oder Arm, Kurzatmigkeit, extreme Erschöpfung bei Bewegung, Anschwellen der Füße. Wenn derlei Warnsignale auftreten, ist die Blockade oft bereits schwerwiegend oder gar lebensbedrohlich.

„Häufig werden die ersten Beschwerden bei größeren Anstrengungen für das Herz wahrgenommen, beispielsweise beim Sport. Aber sie können auch im Ruhezustand ohne jegliche körperliche Aktivität auftreten“, beschreibt Dr. Lunow die Symptome. Spätestens nach derlei Anzeichen ist eine gründliche ärztliche Untersuchung angesagt. Denn schreitet die KHK weiter fort, riskiert man ernsthafte Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz, schließlich sogar akute, lebensbedrohliche Komplikationen wie einen Herzinfarkt und plötzlichen Herztod.

Persönliche Risikofaktoren erkennen und behandeln

Die Untersuchung durch den Arzt fördert die persönlichen Risikofaktoren, eine KHK zu erleiden, zutage. Dabei unterscheidet man nicht beeinflussbare oder konstitutionelle Risiken, wie eine genetische Veranlagung, Geschlecht und Alter. Zu den typischen Risikogruppen zählen Männer über 45 Jahren, Frauen nach ihrer Menopause und über 55 Jahren.

Demgegenüber gibt es beeinflussbare Risikofaktoren wie Fettstoffwechselstörungen. Ein erhöhter Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) mit hohem LDL- und niedrigem HDL- Cholesterinspiegel zählt hierzu, ebenso Übergewicht, eine arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Rauchen, Bewegungsmangel und psychosoziale Faktoren. „Dabei muss man beachten, dass die einzelnen Risikofaktoren nicht nur in ihrer Summe wirken, sondern ihre wechselseitigen Beziehungen das kardiovaskuläre Risiko überproportional erhöhen“, so Dr. Lunow.

Bei der Therapie der koronaren Herzkrankheit werden zunächst Arzneimittel wie Nitrate, Betablocker, Kalzium-Kanal-Blocker, Aspirin oder Cholesterinsenker (Statine) eingesetzt, um bei Vorliegen der entsprechenden Risikofaktoren frühzeitig entgegenzuwirken. Ist die Verengung im Koronargefäß aber bereits fortgeschritten, wird direkt dort eingegriffen: mit einem Stent. „Im Gegensatz zur koronaren Ballon-Angioplastie, bei der ein kleiner Ballon durch die Haut zur Aufweitung der Arterie eingesetzt wird, um den Blutfluss zu gewährleisten, verbleibt ein Stent dauerhaft in der Koronararterie und hält sie offen“, erklärt Dr. Lunow.

Stents halten die Arterie offen

Bei einem Stent handelt es sich um eine kleine, dehnbare Gitternetzröhre aus medizinischem Edelstahl oder einer Kobalt-Legierung. Mit einem Katheter wird er durch eine Körperarterie bis zu der Engstelle vorgeschoben. Der Stent ist auf einem kleinen Ballon befestigt, der dann in der Arterie aufgedehnt wird. So wird der Plaque gegen die Arterienwand zusammengedrückt und der Blutfluss wiederhergestellt. Anschließend entfaltet sich der Stent an dieser Position. Wie ein Gerüst stabilisiert er nun die Arterie und ermöglicht den Blutdurchfluss. Der Ballon wird wieder entlastet und entfernt. In der Praxis kommen unbeschichtete, sogenannte „Bare-Metal-Stents“, zum Einsatz wie auch beschichtete Stents, bei denen ein aufgetragenes Medikament einer erneuten Verengung der Arterie vorbeugt.

Das Stenting hat sich mittlerweile etabliert: Über 2 Millionen Menschen erhalten pro Jahr einen Stent implantiert. Durch die Änderung seines Lebensstils kann man einiges dafür tun, dass es gar nicht erst soweit kommt. „Um eine KHK zu vermeiden, ist es notwendig, die persönlichen Risiken auszumachen. Dann können frühzeitig auf sanftem Wege Gegenmaßnahmen eingeleitet werden“, weiß Dr. Lunow. „Häufig helfen schon eine Umstellung der Ernährung und regelmäßiger Sport. Voraussetzung ist ein frühzeitiger Check-up, um eine ernsthafte Herzerkrankung gar nicht erst entstehen zu lassen.“

(Bild: Alila/Fotolia.com)

 

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