Cholesterin: Warum man seine Blutfettwerte kennen sollte

Cholesterin an sich ist kein Teufelszeug, sondern lebenswichtig für unseren Körper, ist es doch maßgeblich am Aufbau der Zellmembran sowie an vielen Stoffwechselvorgängen des Gehirns beteiligt. Außerdem sorgt es als Ausgangsstoff für die Produktion von Gallensäuren zur Fettverdauung und für die Bildung von Vitamin D und Hormonen (z. B. Östrogen, Testosteron, Cortisol).

Rund drei Viertel seines Cholesterins produziert der menschliche Körper in der Leber. Von dort gelangt das Cholesterin auch aus dem Körper: Etwa 500 mg pro Tag werden in Form von Gallensäuren über die Gallenwege in den Darm weitergeleitet. Nur ein Viertel des Gesamtcholesterins nehmen wir mit der Nahrung auf.

Trotzdem ist eine gesunde Lebensweise Voraussetzung für gesunde Fettwerte im Blut. „Bei den Blutfetten ist es ähnlich wie bei Bluthochdruck oder Diabetes: Solange man sich gesund fühlt, achtet man weniger auf den Lebensstil. Und fühlt man sich nicht mehr gesund, macht man gern andere Faktoren wie das Altern verantwortlich“, weiß Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim zwischen Köln und Bonn. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung als Internist rät er: „Machen Sie regelmäßig einen kompletten Gesundheitscheck, mindestens aber einen Blut- und Gefäßcheck, um der schleichenden Gefahr einer Arteriosklerose und ihren lebensgefährlichen Folgeerkrankungen aus dem Weg zu gehen.“

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Denn ist der Cholesteringehalt im Blut zu hoch (Hypercholesterinämie), kann es im Laufe der Zeit zu Arterienverkalkung kommen: Das Cholesterin lagert sich in den Gefäßwänden ein, verdickt diese und es bilden sich Plaques. Die Gefäße verlieren an Elastizität und verengen sich, Durchblutungsstörungen stellen sich ein.

Die Folgen sind dramatisch: etwa eine periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), ein Verschluss herzferner Arterien in Armen und Beinen, der zu starken Schmerzen beim Gehen führt. Löst sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) von der Gefäßwand, kann es mit dem Blutstrom bis zum Herzen gespült werden und ein Herzkranzgefäß verstopfen. Die Blutversorgung und damit die Funktionstüchtigkeit des Herzmuskels wird eingeschränkt. Es entsteht eine koronare Herzkrankheit (KHK) mit Schmerzen im Brustbereich (Angina pectoris), Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder sogar einem Herzinfarkt. Stört ein Thrombus die Sauerstoffversorgung des Gehirns, kommt es zu einem Schlaganfall.

Das Zusammenspiel von gutem und schlechtem Cholesterin

Als fettähnliche Substanz verbindet sich das Cholesterin mit wasserlöslichen Eiweißstoffen, um im Blut transportiert zu werden und im Körper dorthin zu gelangen, wo es benötigt wird. So entstehen Lipoproteine mit unterschiedlichen Dichten: Low-Density (LDL)- und High-Density (HDL)-Lipoproteine. Wegen seines hohen Lipid-Gehalts und damit seiner geringen Dichte gilt das LDL als „schlechtes“ Cholesterin, das HDL wegen seines geringeren Lipid-Anteils und seiner höheren Dichte als „gutes“ Cholesterin.

Um die Blutfette beurteilen zu können, muss man das Verhältnis von HDL und LDL betrachten. Das „gute“ Cholesterin HDL arbeitet als Gegenspieler des LDL: Es sammelt das an den Gefäßwänden abgelagerte Cholesterin wieder ein und transportiert es zurück zur Leber. Dort wird es erneut in Lipoproteine verpackt oder in andere Stoffe (z. B. Gallensäuren) umgewandelt, die in den Darm abgegeben werden.

„Ein hoher HDL-Spiegel bedeutet, dass die Gefäße gut von Ablagerungen gereinigt werden. HDL vermindert somit das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung und kann auch erhöhte LDL-Spiegel bis zu einem gewissen Grad regulieren. Je mehr weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen vorliegen, umso niedriger sollten die Werte des LDL-Cholesterins sein“, sagt Dr. Lunow.

Bei der Messung des Cholesterinspiegels bestimmt man daher drei Werte: Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und HDL-Cholesterin. Als durchschnittlicher Richtwert gilt beim gesunden Menschen ein Gesamtcholesterin von unter 200 mg/dl (Milligramm pro Deziliter). Der LDL-Wert sollte unter 160 mg/dl betragen, der HDL-Wert mindestens 40 mg/dl.

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Sind die Cholesterinwerte zu niedrig, kann dies auf einen Leberschaden hinweisen, eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) oder eine Mangelernährung. Erhöhte Cholesterinspiegel sind zu etwa 30 Prozent vererbt (primäre oder familiäre Hypercholesterinämie). In 70 Prozent resultieren sie aus falscher und fettreicher Ernährung: mit zu vielen gesättigten Fettsäuren und Transfettsäuren, zu wenigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffen. Auch Krankheiten können die Werte durcheinanderbringen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), ein Nierenleiden (nephrotisches Syndrom), eine Zuckerkrankheit oder übermäßiger Alkoholgenuss.

Cholesterin und Triglyzeride

Mit den Cholesterinwerten sollten die Triglyzeride bestimmt werden. Auch diese Blutfette erfüllen grundsätzlich wichtige Aufgaben im Körper: Sie sind als Energiereserve im Fettgewebe gespeichert und machen rund 10 Prozent des Körpergewichts aus. Triglyzeride isolieren den Körper gegen Kälte und schützen die Organe vor Druck.

Für Gesunde gilt ein Triglyzeridwert von unter 150 mg/dl als normal. Zu viel Triglyzeride erhöhen das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, denn auch sie tragen zur Entstehung von Arteriosklerose bei. Vor allem in Verbindung mit einem niedrigen HDL-Spiegel ist ein erhöhter Triglyzeridspiegel gefährlich.

Zwar nehmen wir nur einen Teil des Cholesterins über die Nahrung auf, trotzdem hat die Ernährung einen großen Einfluss auf den Cholesterinspiegel. „Es kommt nicht nur auf eine cholesterinarme Ernährung mit wenig tierischen Fetten an, sondern auf eine ausgewogene Ernährung mit den ‚richtigen‘ Fetten, den ungesättigten Fettsäuren“, erklärt Dr. Lunow. „Deshalb gehören Meeresfisch und pflanzliche Öle ebenso auf einen gesunden, ausgewogenen Speiseplan wie Ballaststoffe, Obst und Gemüse.“ Senkt man etwa durch den Verzicht auf Alkohol und zuckerhaltige Lebensmittel den Triglyzeridspiegel, wird auch das Gesamtcholesterin reduziert und das Verhältnis von HDL zu LDL verbessert sich.

Ebenso wirkt sich regelmäßige Bewegung günstig aus. Ausdauersportarten wie Joggen, Nordic-Walking, Wandern, Radfahren und Schwimmen verringern Triglyzeride und das LDL und erhöhen das HDL. Bereits moderates 30-minütiges Training an drei Tagen pro Woche schützt Herz und Gefäße.

Dass über die körperliche Aktivität auch Stress abgebaut wird, wirkt sich zusätzlich positiv auf den Cholesterinstoffwechsel aus. Hilfreich sind überdies Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Atemübungen, dazu regelmäßige Auszeiten vom Alltagsstress.

Regelmäßig Cholesterin kontrollieren lassen

Nur wer seine Blutfettwerte kennt, kann auch bei den Gefahren für Herz und Kreislauf rechtzeitig gegensteuern. „Auch jüngere Menschen sollten daher wissen, wie hoch ihr Cholesterin ist“, rät Dr. Lunow. „In unserer Praxisklinik bestimmen wir neben dem HDL- und LDL-Cholesterin standardmäßig auch die Triglyzeridwerte. Da sich bei jedem Menschen erhöhte Cholesterinwerte anders auswirken, umfasst eine verantwortungsvolle Vorsorge auch die Messung der Blutzucker-, Leber- und Nierenwerte.“

Je nach individueller Situation ist eine weiterführende Diagnostik angezeigt, etwa um eine beginnende Arterienverkalkung in Halsschlagader oder Beingefäßen festzustellen (Farbdoppler-Sonographie) oder Durchblutungsstörungen am Herzen (Echokardiographie).

Auf Basis solcher Untersuchungen lassen sich schnell geeignete Vorsorgemaßnahmen einleiten. „Führen Veränderungen im Lebensstil sowie die Behandlung einer eventuell vorhandenen Grunderkrankung nicht zu einer nachhaltigen Verbesserung der Cholesterinwerte, sollte man auf cholesterinsenkende Medikamente, z. B. Statine, zurückgreifen“, empfiehlt Dr. Lunow. „In jedem Fall beraten wir Sie, welcher Gesundheitscheck und welche Maßnahmen für Sie am besten geeignet sind.“
(Bilder: Bilderzwerg-Fotolia.com; Littlebell-Fotolia.com)

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