Selen-Mangel nicht auf eigene Faust behandeln

Selen gehört zu den essenziellen Spurenelementen, ohne die unser Körper nicht funktioniert. Es ist in vielerlei Hinsicht wichtig:

- Selen wirkt antioxidativ: Als Bestandteil von Enzymen (z. B. der Glutathionperoxidase) setzt es zellschädigende Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) außer Gefecht, die die DNA schädigen und krebserregend (kanzerogen) wirken, und dämmt oxidativen Stress ein;

- Selen ist maßgeblich am Stoffwechsel der Schilddrüsenhormone beteiligt: Als Baustein des Enzyms Thyroxin-5-Dejodase ist Selen im Jodstoffwechsel aktiv und damit an der Aktivierung der Schilddrüsenhormone. Es wandelt Thyroxin in Trijodthyronin um. Ist zu wenig Selen vorhanden, kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) mit negativen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, Nervensystem, Magen-Darm-Trakt und unseren Stoffwechsel.

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„Selen ist zwar ein lebensnotwendiger Stoff, aber unser Organismus kann ihn nicht selbst herstellen. Wir müssen ihn über die Nahrung zuführen,“ erklärt Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim nahe Köln und Bonn. In Lebensmitteln ist Selen an Eiweiß gebunden, eiweißreiche Lebensmittel sind daher gute Selenquellen: Fleisch (Leber, Niere), Fisch, Milch, Eier, Getreide, Gemüse und Paranüsse liefern reichlich Selen. Damit lässt sich der tägliche Bedarf von etwa 30-70 µg (= Mikrogramm/Millionstel Gramm) eigentlich mühelos decken.

Selenmangel: Ursachen und Folgen

Extrem einseitige Ernährungsgewohnheiten und chronische Verdauungsstörungen beeinträchtigen die Selenversorgung. Veganer und Alkoholiker sind besonders gefährdet, ebenso erhöhen Hungern, Bulimie, künstliche Ernährung oder Dialyse das Risiko für Mangelerscheinungen. Dies gilt auch bei bestimmten Nierenerkrankungen, starken Blutungen (Hämorrhoiden, Monatsblutungen) und schweren Verletzungen wie Verbrennungen.

Stellt sich ein Selenmangel ein, sind auch die selenabhängigen Enzyme in ihrer Funktion gestört – und hiervon praktisch alle Organsysteme betroffen. Die Symptome sind demzufolge sehr unterschiedlich. Sie reichen von Veränderungen der Nägel und Haare, schuppiger Haut bis hin zu Leberschäden (Nekrosen, Leberkarzinom), Störungen bei Wachstum und Knochenbildung sowie Schwächung und schmerzhaften Erkrankungen der Muskulatur (Myopathie). Betrifft dies den Herzmuskel (Kardiomyopathie), können sich Rhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit (KHK) und Herzschwäche einstellen. Darüber hinaus begünstigt ein Selenmangel die Entstehung unterschiedlicher Krebsarten wie Prostata-, Dickdarm-, Brust-, Eierstock- und Lungenkrebs.

Keine klinischen Zeichen für einen Selenmangel

Allerdings lässt sich ein Selenmangel nicht anhand der klinischen Zeichen festmachen. Wer also bei den genannten Symptomen auf eigene Faust zu Nahrungsergänzungsmitteln oder Vitamintabletten mit Selen greift, geht ein hohes Risiko ein. „Solche Präparate enthalten oft viel zu hohe Mengen Selen, gern schon mal mehrere hundert Mikrogramm. Zusätzlich zu einer gesunden selenhaltigen Nahrung kann es schnell zu einer Überdosierung, ja sogar einer regelrechten Selen-Vergiftung kommen“, warnt Dr. Lunow.

Auch die Folgen einer Selen-Intoxikation sind, wie umgekehrt ein Selen-Mangel, gravierend. „Mitunter verringert die Schilddrüse die Produktion von Hormonen oder stellt sie sogar ganz ein“, sagt der Internist. Auch hiervon sind, wie beim Selenmangel, wiederum zahlreiche Stoffwechselprozesse im gesamten Organismus betroffen. Veränderungen an Haut, Haaren, Nerven (periphere Neuropathie) und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt treten auf. Auch das Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, steigt.

Zuverlässige Aussagen über die Selenversorgung lassen sich nur mit einer Blutanalyse machen. Hierzu bestimmt der Arzt den Gehalt des Selenoprotein P im Blut. Bei der Therapie eines Selenmangels steht immer auch die Ursachenforschung: Liegt es an einer mangelhaften Ernährung oder steckt eine sonstige Erkrankung dahinter?

Selengabe bei Hashimoto-Thyreoiditis

Insbesondere eine Erkrankung der Schilddrüse sollte man ausschließen. Ein typisches Beispiel für eine Erkrankung, die die Gabe von Selen in hohen Dosen notwendig macht, ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Um die Bildung von Autoantikörpern, die das Gewebe des Organs angreifen, zu hemmen, ist eine tägliche Selengabe von bis zu 300 µg (Mikrogramm bzw. Millionstel Gramm) notwendig.

In der Praxisklinik Bornheim ist man seit vielen Jahren spezialisiert auf die Diagnose und Behandlung dieser Erkrankung. „Erst nach einer gründlichen ärztlichen Untersuchung kann man entscheiden, ob und wie viel Selen zusätzlich eingenommen werden sollte“, sagt Dr. Lunow. „Nach einer Blutuntersuchung wissen wir, wie es um die persönliche Selenversorgung bestellt ist. Bei Bedarf können wir mit einem gründlichen individuellen Gesundheitscheck zuverlässig die Ursachen eines Mangels erkennen und behandeln.“ (Bild: nerthuz-Fotolia.com)

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