Diabetes mellitus: SGLT-2-Hemmer senken Sterblichkeit

wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder peripherer arterieller Durchblutungsstörung zu erkranken.

Der Anteil von Diabetes mellitus, und hierbei besonders der "Erwachsenen Diabetes" (Diabetes mellitus Typ2, DM2), steigt weltweit enorm an.

Der Begriff "Diabetes mellitus" kommt aus dem Griechischen und heißt auf deutsch "honigsüßer Durchfluss". In der Antike wurde nicht Blutzucker gemessen, sondern es wurde die Diagnose der "Glucosurie" über den Urin gestellt. Mit Glucosurie bezeichnet man die vermehrte Ausscheidung von Traubenzucker (Glucose) über den Harn durch die Niere. Heute wird Diabetes mellitus diagnostiziert, was die Erhöhung des Blutzuckers definiert.

Glukosestoffwechsel

Glukose ist der wichtigste Energielieferant des menschlichen Körpers. Durchschnittlich benötigt man im Ruhezustand etwa 200 g Glukose pro Tag, 75% davon verbraucht allein das Gehirn. Glukose wird mit der Nahrung aufgenommen und kann entweder sofort verarbeitet werden oder mit Hilfe von Insulin in der "Glykogensynthese" als Glykogen gespeichert und bei Bedarf verbraucht wird. Zusätzlich stellt der Körper durch die "Glukoneogenese" selbst Glukose zur Energieerzeugung her.

Die Nieren produzieren pro Tag etwa 180 Liter Primärharn, den sie filtrieren und auf diese Weise viele Substrate in den Nierengefäßnetzen wieder rückresorbieren. Es werden jedoch täglich nur zwei Liter Urin ausgeschieden denn die meisten der wertvollen Produkte werden "verwendet". Dazu gehört auch Glukose als wichtiger Energieträger für die meisten Organe.

Nicht selten kommt es vor, dass der Organismus durch Überkonsum von Kohlenhydraten und Zucker oder durch eine verminderte Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse die Glukose nicht ausreichend verwertet. Dadurch erhöht sich der Anteil an Glukose im Blut kurzfristig. Besteht eine längere Blutzuckererhöhung, findet sich demnach Glukose im Urin, weil die Niere nicht mehr ausreichend kompensieren kann. Dadurch kommt es zu einer "Spezial-Reaktion", bei der der Körper versucht über die Niere den vermehrten Zucker zu entsorgen – es entsteht eine Glucosurie.

Sodium Glukose Transporter (SGLT-2)

Normalerweise sorgt ein sogenannter Transporter (im Speziellen der "SGLT-2-Transporter") in dem Bereich der Niere, dass die Glukose zu mehr als 90 Prozent rückresorbiert wird. Im Falle einer chronischen Erhöhung der Glukosewerte will jedoch der Körper einen zu großen Verlust zu verhindern. Das bewirkt, dass beim Menschen mit Diabetes, die vermehrte Glukose im Primärharn haben, deutlich mehr Glukose zurückresorbiert wird als üblich. Dadurch wird aber im Vergleich zum gesunden Menschen mehr Glukose in das Blutsystem geführt, was eine Hyperglykämie (zu hoher Blutzucker) verursacht oder verstärkt.

Glukose über Urin entsorgen - Medikamente zur Transporter-Hemmung

Seit langem ist bekannt, dass durch den Wirkstoff Phlorizin es zu einer deutlichen Glukosurie führen kann. Durch den Glukoseverlust über die Nieren trat eine Normalisierung der Glukosewerte im Blut ein. Ebenso führte das auch zu einer Verbesserung der Insulinwirkung. Die Phlorizin Therapie war jedoch toxisch und daher lange Zeit nicht geeignet für den therapeutischen Einsatz.

SGLT-2-Hemmer

Zwischenzeitlich wurde aber Medikamente entwickelt, die selektiv und reversibel den SGLT-2-Transporter hemmen. Mittlerweile sind Medikamente dieser Familie seit längerer Zeit im klinischen Einsatz und haben sich als sicher gezeigt.

SGLT2-Hemmer bewirken bei Menschen mit Diabetes ein Absinken der Glukose, denn ein Anteil der Glukose wird über die Niere ausgeschieden und so dem System entzogen. Gleichzeitig ergibt sich eine weitere "positive Nebenwirkung", denn der Glukoseverlust führt auch zum Kalorienverlust, was zusätzlich eine leichte Gewichtsabnahme bewirkt. Weitere Vorteile sind: eine gleichzeitige Reduktion des Blutdrucks und keine Unterzuckerungen mehr.

Hoffnungsvolle Studien-Ergebnisse

Studien haben gezeigt, dass SGLT-2-Hemmer folgende positive Auswirkungen haben :

  • geringeres kardiovaskuläres Risiko
  • Reduzierung der Sterblichkeit
  • antihyperglykämische Intervention
  • erhebliche Reduktion der Hospitalisierung bei Herzinsuffizienz
  • deutliche und frühzeitige Verbesserung der Nierenfunktion.

Die Mechanismen, die mittlerweile in allen Studien mit SGLT2-Hemmern gesehen werden, sind noch unklar, es kommt zu einem Natriumverlust, es verbessert sich möglicherweise auch der Energiestoffwechsel, aber derzeit sind noch viele Fragen offen.

Bei der Entscheidung für ein Diabetes-Medikament sollte nicht nur die Wirkung auf den Blutzuckerspiegel und das Nebenwirkungsprofil eine Rolle spielen, sondern vor allen Dingen auch, ob auch die Sterblichkeit gesenkt wird. SGLT2-Hemmer reduzieren die Sterblichkeit um 20 %.

Fazit: SGTL-2-Hemmer wie Dapagliflozin und Empagliflozin sorgen dafür, dass vermehrt Glukose mit dem Urin ausgeschieden wird. Dadurch sinkt der Blutzuckerspiegel und -was noch viel wichtiger ist- auch die Sterblichkeit.

Spezial-Sprechstunde für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 

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