Chronische Entzündungen in den Atemwegen sind nicht immer Asthma

Etwa jeder 10. Mensch in Deutschland leidet an chronischen Entzündungen der Bronchien. Die chronische Bronchitis entwickelt sich laut Experteneinschätzung hierzulande zur dritthäufigsten Todesursache.

Die Bronchien verstopfen

Bei einer chronischen Bronchitis (COPD) verengen sich die Luftwege der Bronchien durch Schleimeinlagerungen immer mehr. Vor allem das Ausatmen ist erschwert, und es herrscht ständiger Hustenreiz.

"COPD" ("chronic obstructive pulmonary disease") ist der Sammelbegriff für chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten mit oder ohne Lungenemphysem. "Obstruktiv" steht für eine Verengung der Atemwege - gekennzeichnet dadurch, dass der Luftstrom vor allem beim Ausatmen behindert ist.

Chronische Bronchitis wird zur COPD

Laut WHO liegt eine chronische Bronchitis vor, wenn Husten und Auswurf in zwei aufeinanderfolgenden Jahren für jeweils mindestens drei Monate bestehen. Von einer "einfachen chronischen Bronchitis" spricht man, wenn nur einmal durch Überproduktion von Schleim in der Lunge Husten und Auswurf auftreten. In diesem Stadium können sich die Veränderungen in der Lunge noch zurückbilden, wenn die Ursache beseitigt wird. Passiert dies nicht, kann sich aus der chronischen Bronchitis eine COPD entwickeln.

Die Ursachen einer chronischen Bronchitis sind

  • hauptsächlich das Rauchen
  • die Dauerbelastung durch Luftschadstoffen Feinstaub, Schwefeldioxid, Ozon
  • beruflich bedingte giftige Stäube und Dämpfe von Formaldehyd und Metallstäube
  • chronische Nebenhöhlenentzündungen
  • nicht ausgeheilte Atemwegsinfektionen

Betroffene geraten schon bei kleineren Anstrengungen "aus der Puste" und leiden unter ständigem Husten, zäher Schleimbildung und Atembeschwerden. Insbesondere die immer mehr zunehmende Schadstoffbelastung der Luft fördert verstärkt das Lungen-Krankheitsbild COPD. Bei der COPD sind nicht nur die Bronchien chronisch entzündet, sondern zusätzlich kommt es zu einem Lungenemphysem (Erweiterung der Bronchiolen). Das bedeutet, dass nach und nach immer mehr der feinen Lungenbläschen (Alveolen) zugrunde gehen die Sauerstoffversorgung des Körpers immer schwieriger wird.

COPD ist nicht Asthma

COPD wird häufig als "Raucherlunge" oder "Raucherhusten" verharmlost. Dabei ist die COPD eine schwerwiegende Lungenkrankheit, die wenn sie einmal begonnen hat, immer weiter fortschreitet und oft zum vorzeitigen Tod führt. Viele Ärzte verwechseln eine COPD mit Asthma und behandeln dann falsch. Weil sie das Krankheitsbild falsch einschätzen verordnen sie die falschen Medikamente. Bei Asthma werden kortisonhaltige bronchienerweiternde Medikamente verordnet. Die meisten Patienten mit COPD sprechen jedoch auf Kortison nicht an. Sie bekommen es dennoch oft von den Ärzten verschrieben - wenn eine Bronchitis fälschlicherweise für Asthma gehalten wird.

Für den COPD-Patient sind Kortisonsprays nur dann sinnvoll, wenn sich in seinem Blut vermehrt Entzündungszellen finden - die sogenannten eosinophilen Granulozyten. Es gibt einen speziellen Bluttest, der dies nachweisen kann. Bevor dieser nicht durchgeführt wurde, sollte eine Kortisontherapie noch nicht begonnen werden.

Typische Symptome einer COPD sind:

  • ständiger Husten
  • verstärkter Schleimauswurf
  • Atemnot
  • geringere körperliche Belastbarkeit
  • blau verfärbte Lippen und Fingerkuppen wegen Sauerstoffmangels

Auf den ersten Blick sind beide Krankheiten - COPD und Bronchitis - sehr ähnlich: Die Patienten sind kurzatmig, und vor allem das Ausatmen ist erschwert. Doch in den Details gibt es erhebliche Unterschiede.

 
Bewegung hilft bei COPD - auch wenn es schwerfällt

COPD ist nicht heilbar, jedoch kann man einiges tun, um den Krankheitsverlauf einzudämmen.

An erster Stelle steht für Raucher ein Rauch-Stopp auf dem Therapieplan. Darüber hinaus ist es grundsätzlich für COPD-Patienten ratsam, alle lungenbelastenden Schadstoffe zu meiden. Zusätzlich empfehlen die Leitlinien als Schutzimpfung eine jährliche Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken. Wir bieten für Raucher einen Raucher-Gesundheitscheck an.

 Obwohl man sich als COPD-Patient körperlich meist schwach fühlt, ist es wichtig, so gut wie möglich in Bewegung zu bleiben. Experten des Deutschen Zentrums für Lungenforschung stellten März 2016 stellten eine entsprechende Studie vor, bei der etwa 200 COPD-Patienten mit speziellen Armbändern ausgestattet, ihre Bewegungsaktivitäten aufzeichnen ließen. Innerhalb von drei Jahren hatte sich die Lungenerkrankung bei denen am schnellsten weiter entwickelt, die sich am wenigsten bewegt hatten.

Lungen-Patient sollten deshalb ganz besonders die großen Muskeln der Beine und des Rückens trainieren. Gut trainierte Muskeln kommen mit weniger Sauerstoff aus. Das heißt, man muss insgesamt weniger atmen und kommt auch mit weniger Sauerstoff zurecht. Schon regelmäßiges Treppensteigen, Haus- und Gartenarbeit helfen im Alltag, um nicht so schnell außer Atem zu geraten

Darüber hinaus sind folgende Sportarten für Lungenkranke gut geeignet:

  • Walking
  • Wandern
  • Schwimmen
  • Gymnastik
  • Radfahren
  • leichtes Krafttraining
  • Tai-Chi, Qigong

Wenig sinnvoll für Patienten mit Lungenerkrankungen sind dagegen Aquajogging oder Aquagymnastik. Denn bei diesen Sportarten ist der Körper nahezu schwerelos im Wasser. Das ist zwar schonend für die Gelenke, aber die großen Muskeln des Körpers werden so nicht trainiert.

Spezielle Sportangebote für Lungenkranke (nicht nur für COPD-Patienten) bieten sogenannte Lungensportgruppen. Hier wird Ausdauersport mit leichten Ballspielen und Entspannung kombiniert. Ärzte können die Teilnahme verordnen, die Krankenkassen übernehmen dann die Kosten.

Medikamente bei COPD – verschaffen Luft

In den verschiedenen Stadien der COPD helfen unterschiedliche Medikamente die Symptome zu lindern.

Die Basis der COPD-Therapie bilden bronchialerweiternde Medikamente, die so genannten Bronchodilatatoren. Sie erweitern die Atemwege und verbessern die Luftzufuhr. Zum Einsatz kommen kurz- und langwirksame Präparate. Zur Behandlung akuter Atemwegsinfekte können schleimlösende Medikamente (Mukopharmaka) mit den Wirkstoffen N-Acetylcystein, Ambroxol oder Myrtol helfen, festsitzendes Sekret zu verflüssigen.

Die Entscheidung für die passenden Medikamente und ihre Anwendung sollten in Absprache mit dem Arzt getroffen werden.

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