Lokalen Prostatakrebs beobachten statt gleich operieren

Prostatakrebs ist ein bösartiger Krebs der Vorsteherdrüse und das häufigste Malignom bei Männern in Deutschland. Über 63.000 Neuerkrankungen werden jedes Jahr registriert. Nach Lungen- und Dickdarmkrebs ist der Prostatakrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache.

Aber nicht jeder Betroffene muss sich gleich einer umfassenden Krebstherapie samt Operation unterziehen. Denn selbst wenn der Eingriff zur Entfernung des Organs gelingt, sind anschließend zahlreiche Männer impotent oder inkontinent.

Für die Entscheidung zur Operation müssen Größe und Entwicklung des Tumors beurteilt werden. Oftmals handelt es sich nit um Prostatakrebs, sondern um eine gutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse, eine sogenannte benigne Prostata-Hyperplasien (BHP). Diese machen vor allem Probleme beim Wasserlassen, bleiben jedoch immer auf die Prostata beschränkt.

Prostatakrebs tritt meist im höheren Lebensalter auf

„Entscheidend ist die regelmäßige Teilnahme an Untersuchungen zur Früherkennung, denn im Anfangsstadium verursacht Prostatakrebs keinerlei Beschwerden“, sagt Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim nahe Köln und Bonn. „Wir empfehlen die jährliche Kontrolle ab dem 40. Lebensjahr. Denn das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.“

Über 80 Prozent aller Männer, bei denen ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, sind älter als 60 Jahre, die meisten Neuerkrankungen treten erst ab etwa 70 Jahren auf. Rund 60 Prozent aller 60-Jährigen Männer haben ein Prostatakarzinom. Dabei handelt es sich in der allermeisten Fällen jedoch um Frühformen, die nicht behandelt werden müssen.

Bleibt der Tumor auf das Organ beschränkt, bringt eine Operation zunächst einmal keinen Gewinn, denn er wächst vergleichsweise langsam. Bei einer frühen Entscheidung zur Krebstherapie überwiegen hier eher die belastenden Begleiterscheinungen.

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PSA-Test und Diagnose Prostatakrebs

„Das heißt aber nicht, dass man sich mit der Vorsorge Zeit lassen kann und nicht zur Früherkennung geht. Im Gegenteil: Erst Kontrolle und Beobachtung über einen gewissen Zeitraum erlauben eine zuverlässige Diagnose und rechtzeitige Therapie“, so der Experte für Vorsorgemedizin und Diagnostik.

Dies liegt auch an der unzureichenden Aussagekraft des PSA-Tests, der standardmäßig im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wird. Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Einweiß, das nur in der Prostata gebildet und bei Erkrankungen des Organs vermehrt ins Blut abgegeben wird. PSA ist zudem ein Tumormarker zur Beurteilung einer Krebserkrankung.

Das Problem: Der PSA-Wert kann erhöht sein, ohne dass ein Tumor die Ursache ist. Auch gutartige Geschwülste treiben den Wert nach oben und werden auf diesem Weg überhaupt erst entdeckt. Auch eine Entzündung der Prostata (Prostatitis) kann dahinterstecken, ebenso wie mechanische Reizungen des Organs: Geschlechtsverkehr, Fahrradfahren oder eine Tastuntersuchung. Da die Prostata an ihrer Rückseite an den Mastdarm (Rektum) grenzt, kann der Arzt rektal mit dem Finger Unregelmäßigkeiten und Verhärtungen ertasten.

Die Beurteilung des PSA-Wertes nach einer Blutabnahme sollte daher nicht nur in Bezug auf den Grenzwert von 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) erfolgen. Es kommt ebenso auf die Anstiegsgeschwindigkeit zwischen verschiedenen PSA-Messungen an. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass nur einer von vier Männern mit einem höheren PSA-Wert von bis zu 10 ng/ml tatsächlich ein Prostatakarzinom hat. Umgekehrt schließt ein Wert unterhalb von 4 mg/ml einen Prostatakrebs nicht hundertprozentig aus.

Im Rahmen der Vorsorge werden daher weitere Labor-Untersuchungen durchgeführt und auch allgemeine Entzündungsmarker wie das C-reaktive Protein (CRP) und die Leukozyten bestimmt. Der Arzt untersucht zudem die äußeren Genitalorgane und ertastet die Lymphknoten in der Leiste.

Auch eine familiäre Disposition kann die Erkrankung begünstigen, denn zwischen 5 und 10 Prozent der Prostataerkrankungen sind genetisch bedingt. Männer, deren Väter oder Brüder an Prostatakrebs erkrankt sind, haben ein doppelt so hohes Risiko, selbst zu erkranken.

Sind weiterführende Untersuchungen notwendig, kommt die transrektale Sonografie, eine schmerz- und strahlungsfreie Ultraschalluntersuchung über das Rektum, in Betracht. Bei Verdacht auf Strukturveränderungen kann eine Gewebeentnahme (Biopsie) der Vorsteherdrüse erfolgen.

Prostatakrebs verursacht keine typischen Beschwerden

Allerdings gibt es keine typischen Symptome, die frühzeitig auf einen aggressiven Tumor in der Prostata hinweisen. Unspezifische Warnsignale können Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Blut im Urin oder in der Samenflüssigkeit sowie Potenzstörungen sein. Auch Schmerzen bei der Ejakulation, in Rücken, Becken oder Hüfte sind möglich.

Breitet sich der Tumor jedoch weiter aus, durchbricht er die bindegewebige Kapsel der Prostata und wächst in benachbartes Gewebe (z. B. Samenblasen, Harnblase, Mastdarm) hinein. Im weiteren Verlauf können sich Krebszellen in Lymphbahnen, Lymphknoten und Knochen ausbreiten und Metastasen bilden.

Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zeigen Veränderungen beim Prostatakrebs an

Wird der Prostata-Krebs aber so frühzeitig erkannt, dass er noch auf die Vorsteherdrüse beschränkt ist, überleben fast alle Betroffenen die Erkrankung. Von einer Operation profitiert, wer ein tatsächlich aggressives Karzinom sowie einen deutlich erhöhten PSA-Wert oberhalb von 10 ng/ml aufweist. Der Entschluss zur Operation sollte also wohlüberlegt getroffen werden – nach eingehenden Untersuchungen und Beratung mit dem Arzt.

„Die meisten Männer leiden an einer wenig aggressiven Frühform, die auf die Prostata begrenzt ist. Trotzdem kann sich ein Tumor mit geringem Risiko bei einem Mann Mitte Fünfzig in zehn Jahren zu einem aggressiven Krebs entwickeln. Daher ist die Prostatakontrolle über einen längeren Zeitraum wichtig. Man sollte also frühzeitig mit regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beginnen“, empfiehlt Dr. Lunow.

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