Wenn Gallensteine Probleme machen

Gallensteine treten häufiger auf, als man gemeinhin glaubt. Rund 15-20 % aller Deutschen haben sie und wissen oft nichts davon. Bis die Steine Beschwerden machen: Plötzliche starke Schmerzen im Oberbauch, die bis in die Schulter ausstrahlen können, Völlegefühl, Sodbrennen und Blähungen, Übelkeit und Erbrechen sind typische Symptome einer Gallenkolik, verursacht durch einen oder mehrere Gallensteine.

„Wenn Gallensteine in den Gallenblasengang geraten und dort den Abfluss von Gallenflüssigkeit blockieren, kommt es zu heftigen Schmerzattacken“, erläutert Dr. Reinhold Lunow den Prozess. Zwar tragen etwa 10 % aller Europäer eine genetische Disposition für Gallensteine. Ursache sind in der Regel aber Umwelteinflüsse, vor allem eine ungesunde Ernährung mit viel Fett, Gebratenem und Geröstetem. Bei den Lebensmitteln sind vor allem hart gekochte Eier, Kaffee, Hülsenfrüchte und Alkohol als Auslöser bekannt.

Risikofaktoren für Gallensteine

Neben Ernährung und Veranlagung fördern folgende Faktoren die Entstehung vom Gallensteinen: Adipositas (Fettsucht) und Bewegungsmangel, Schwangerschaft, die Einnahme von Ovulationshemmern, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Zustand nach Dünndarmoperationen (Gallensäureverlustsyndrom), entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) und chronische Verstopfungen (Obstipation).

Gallensteine entstehen vor allem dann, wenn die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit aus dem Gleichgewicht gerät. Steigt der Anteil des Cholesterin in der Gallenflüssigkeit bzw. sinkt der Anteil der Gallensäure, kristallisiert das Cholesterin aus. Es bilden sich Cholesterinkristalle, die sich ihrerseits zu Gallensteinen aneinanderlagern. Wenn sich die Gallenblase nicht richtig zusammenziehen und entleeren kann, steigt das Risiko auf Gallensteine.

Solche Kristalle können auch aus Bilirubin-Pigmentmaterial entstehen, wenn der Körper vermehrt Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, produziert. Ist die Umwandlung in seine löslichen Abbauprodukte bzw. deren Abfluss aber gestört, treten diese Pigmentsteine vornehmlich als Gallengries in den Gallengängen auf.

Gallensteine schematisch c MarthaKosthorst Fotoliacom Gesundheitscheck Vorsorgeuntersuchung Diagnoseklinik

Infektionsgefahr, wenn ein Gallenstein den Gallengang verstopft

Im Gallengang verursachen die Steine weitere Probleme. „Verstopft ein Gallenstein den Gallengang und verhindert den Abfluss der Gallenflüssigkeit in den Darm, können sich Bakterien ausbreiten. Damit steigt die Gefahr einer Infektion (Cholangitis) mit Fieber und Schüttelfrost“, so Dr. Lunow.

Darüber hinaus ist auch eine Gelbsucht (Ikterus) möglich. Äußere Anzeichen sind dunkler Urin, heller Stuhl, gelblich verfärbte Haut und Augäpfel. „An dem Engpass im Gallengang kann sich eine narbige Verengung entwickeln, die den Gallenfluss auch dann noch behindert, wenn der Stein bereits abgegangen ist“, erläutert der Internist und ärztliche Leiter der Praxisklinik Bornheim nahe Köln und Bonn.

Damit Gallensteine Probleme machen, müssen sie nicht unbedingt auf Wanderschaft gehen. Gallensteine können eine Entzündung auch an ihrem Ursprungsort in der Gallenblase, eine Cholezystitis, verursachen. Aufgrund der ständigen mechanischen Reizung verkalkt die Gallenblasenwand und wird unelastisch. Im Röntgenbild ist das Resultat als sogenannte „Porzellangallenblase" sichtbar. „Verliert die Gallenblase auf diesem Weg ihre Elastizität, kann sie sich nicht mehr vollständig zusammenziehen, es kommt zu Funktionsstörungen. Zudem steigt das Risiko, ein Gallenblasenkarzinom zu entwickeln“, so Dr. Lunow.

Auch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist möglich, denn oft münden Gallengang und Bauchspeicheldrüse gemeinsam in den Zwölffingerdarm. Liegt ein Gallenstein hier ungünstig, staut sich auch das Sekret der Bauchspeicheldrüse auf.

„Ab dem 40. Lebensjahr steigt das Risiko, Gallensteine zu entwickeln. Frauen sind zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer, wenn sie zur oralen Verhütung oder im Rahmen einer Hormontherapie Östrogene zu sich nehmen“, erklärt Dr. Lunow. Außerdem sind Übergewichtige dieser Altersgruppe stärker gefährdet, wenn in ihrer Familie bereits Gallensteine aufgetreten sind.

Therapie von Gallensteinleiden in der Praxisklinik Bornheim

Allerdings kommt der Experte für Vorsorge und Diagnostik Gallensteinen schnell auf die Spur. „Schildert der Patient entsprechende Symptome, verschaffen wir uns mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung nebst Blutanalyse schnell Gewissheit“, so Dr. Lunow. Denn auch kleine Gallensteine sind im Ultraschall gut zu sehen. Im Blut zeigen sich erhöhte Werte neben dem Bilirubin auch bei den Enzymen Gamma-GT (Enzyme Gamma-Glutamyl-Transferase) und AP (alkalische Phosphatase).

Die Therapie von Gallensteinleiden (Cholelithiasis) orientiert sich an der Art der Beschwerden. „Bei einer akuten Gallenkolik steht die medikamentöse Bekämpfung der Schmerzen und Krämpfe im Vordergrund. Bei einer Entzündung sind Antibiotika angesagt“, sagt Dr. Lunow. Zugleich muss in den meisten Fällen bei der Ernährung mit einer strengen Diät gegengesteuert werden. „Welche Maßnahmen im Einzelfall sinnvoll sind, entscheiden wir in unserer Praxisklinik gemeinsam mit dem Patienten nach einem genauen Check-up.“

Das gilt auch für den Fall, dass Gallensteine immer wieder auftreten und Beschwerden verursachen. Ein möglicher Eingriff ist von der Lage des Gallensteins abhängig: Manchmal reicht es aus, wenn man die Mündung des Gallengangs in den Dünndarm durch einen kleinen Schnitt so weit vergrößert, dass der Stein von selbst abgehen kann. Befindet sich der Gallenstein im Gallengang, kann er mithilfe spezieller Drahtschlingen (z. B. Dormia-Schlinge) im Rahmen einer endoskopisch-retrograden Cholangiografie (ERCP) entfernt werden. Liegt der Stein in der Gallenblase und verursacht immer wieder Entzündungen, ist langfristig eine operative Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) angezeigt.

„Wer sich ausgewogen ernährt und auf üppige, fettreiche Mahlzeiten verzichtet, kann auch ohne Gallenblase sehr gut leben. Besser ist es natürlich, von vornherein das Risiko eines Gallensteinleidens zu verringern. Dabei helfen die Ernährungsberaterinnen unserer Praxisklinik“, so Dr. Lunow.

(Bild: Martha Kosthorst/Fotolia.com)

 

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