Unverträglichkeiten, Allergien und Infekte weisen auf das Leaky-Gut-Syndrom

Vor rund 10.000 Jahren begann der Mensch mit der Landwirtschaft. Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese entwicklungsgeschichtlich junge Errungenschaft bei der Herstellung von Nahrungsmitteln viele Menschen heutzutage belastet. Denn zahlreiche Pflanzen enthalten Lektine – Stoffe, die in zu großen Mengen verzehrt giftig wirken.

„Womit sich die Pflanzen vor Fraßfeinden schützen, verursacht bei vielen Menschen folgerichtig Beschwerden und Krankheiten unterschiedlichster Stärke und Art, da unser Organismus noch keine Antwort auf diese Stoffe gefunden hat“, erläutert Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim und Spezialist in Sachen Vorsorge und Diagnostik. „Lektine binden sich besonders an die Wände des Dünndarms und machen sie durchlässiger. Ein sogenannter ‚Leaky gut‘, ein ‚undichter Darm‘ entsteht, auch Sickerdarm genannt.“

Leaky gut wird auch als Sickerdarm bezeichnet

Normalerweise sorgt der Darm für eine kontrollierte Nährstoffaufnahme und die Infektionsabwehr. Dazu befindet sich die bakterielle Besiedelung der Darmschleimhaut (Mukosa) in einem natürlichen Gleichgewicht. Der Durchtritt von Nährstoffen vom Darm in den Blutkreislauf erfolgt durch die Epithel-Zellen (transzellulär) oder durch die Zellzwischenräume (parazellulär), die von sog. Tight junctions reguliert werden. Eine intakte Mukosa verhindert auch, dass pathogene Erreger zu den Schleimhautrezeptoren gelangen und ins Blut gelangen können.

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Durch zahlreiche Faktoren kann das physiologische Gleichgewicht der Darmbesiedlung gestört werden und den Darm durchlässiger machen: Giftstoffe und Mikroben (Darmpilze, Viren, Salmonellen), genetische Disposition (Zöliakie), Medikamente (Antibiotika), Erkrankungen (Schwellungen, Nekrosen), Stress oder falsche Ernährung wie mit lektinhaltigen Lebensmitteln leisten einem Leaky gut Vorschub.

Die Folge: Neben Nährstoffen gelangen durch den Leaky gut auch unerwünschte Stoffe wie Toxine, Krankheitserreger und unvollständig zerlegte Nahrungsbestandteile in den Blutkreislauf. Es kommt zu starken Abwehrreaktionen des Immunsystems und Entzündungen der Darmschleimhaut. Manche lebensnotwendigen Substanzen können jetzt nicht mehr ordnungsgemäß resorbiert werden.

Beschwerden des Leaky gut werden oft auf andere Ursachen zurückgeführt

„Viele Menschen leiden dann unter Lebensmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz), Allergien (Heuschnupfen), Infekten, Akne, Neurodermitis, Migräne, Energielosigkeit, Leistungsabfall, depressiven Verstimmungen, Osteoporose und Asthma. Diese Beschwerden werden jedoch häufig anderen Ursachen zugesprochen, weshalb eine genaue Diagnostik so wichtig ist“, sagt Dr. Lunow.

Unklare Anzeichen eines Leaky gut können Verdauungsstörungen mit Reizmagen, Blähungen, Völlegefühl, Koliken, Übelkeit sowie wechselweise Durchfall und Verstopfung sein. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn sind deutliche Hinweise auf eine Leaky gut.

Wie Lektine kann auch die Aufnahme von Gluten zum Leaky gut führen. Auch bei diesem Klebereiweiß vieler Getreidearten handelt es sich um einen Anti-Nährstoff. Er kommt v. a. in Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel, Grünkern und Einkorn vor und besteht aus den beiden Proteinen Glutein und Gliadin.

Gliadin regt die Bildung von Zonulin an, ein Darmprotein, das die Tight junctions zwischen den Darmzellen steuert und sie durchlässiger macht. Darüber hinaus wirkt Gliadin immunotoxisch: Bei einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) bildet der Organismus Antikörper gegen das Gliadin. Denn einmal im Blut, gelangen diese unerwünschten Stoffe zu allen übrigen Zellen und Organen. Bei ihrer Abwehr greifen die Antikörper fälschlicherweise aber auch gesunde Strukturen an. Autoimmunkrankheiten entstehen, insbesondere Schilddrüse oder Bauchspeicheldrüse werden angegriffen, Typ-1-Diabetes, multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis sind die Folge.

Hohe Dunkelziffer des Leaky gut

Wegen der zunächst unklaren Symptome ist die Dunkelziffer der Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit sehr hoch – und damit auch die Zahl derjenigen, die unerkannt unter einem Leaky gut leiden.

Für die Diagnose „Leaky gut“ werden neben Blutserum auch Urin und Stuhl untersucht. Im Labor zeigen sich erhöhte Leberwerte, weil die Leber die schädigenden Substanzen aus dem Blut filtert. Über die Gallenflüssigkeit werden sie aber erneut dem Darm zugeführt, wodurch es zu einem Kreislauf ständiger Reizung kommt. Auf einen „Leaky gut“ weisen außerdem erhöhte Werte von Zonulin und des Entzündungsindikators Alpha-1-Antitrypsin hin.

Bei Leaky gut hilft eine Paleo-Diät

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Die beim Leaky gut gestörte Darmflora lässt sich nur über eine Ernährungsumstellung wiederherstellen. Neben Weißmehl und Zucker sind in erster Linie gluten- und lektinhaltige Produkte tabu: Getreide- und Vollkornprodukte, Brot, Nudeln und Hülsenfrüchte (Soja). Auch den Verzehr von Nachtschattengewächsen wie Kartoffeln, Tomaten oder Paprika sollte man einschränken. Gleiches gilt für Folgeprodukte aus diesen Pflanzen, also Öle, Mehle und Milchprodukte.

„Eine solche Umstellung betrifft grundlegende Ernährungsgewohnheiten. Wenn Sie unter immer wiederkehrenden Verdauungsproblemen oder einer Lebensmittelunverträglichkeit leiden, sollten Sie teilweise oder vollständig auf solche Produkte verzichten und beobachten, ob sich die Beschwerden verringern“, sagt Dr. Lunow.

Wertvolle Hilfestellung bietet hier eine professionelle Ernährungsberatung, wie sie die Praxisklinik Bornheim nahe Köln und Bonn anbietet. Im Fall von Leaky gut verspricht der Wechsel auf eine nährstoffreiche Paleo-Ernährung nachhaltigen Erfolg. Der Begriff bezeichnet eine Steinzeitdiät und bezieht sich auf die Ernährungsgewohnheiten des Menschen vor der Einführung von Viehzucht und Ackerbau.

Zentral ist hier der Verzicht auf lektin- und glutenhaltige Nahrung, verarbeitete Lebensmittel, Zucker und sonstige schnell verfügbaren Kohlenhydrate, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte sowie Milch.


Hauptbestandteile der Nahrung sind stattdessen Gemüse, (Wild-)Fleisch, Fisch, Meeresfrüchte, Eier, Obst, Nüsse, Kräuter und Honig. Damit lässt sich das Wachstum der Darmbakterien unterstützen und die nährstoffreiche Versorgung der Darmepithelzellen sicherstellen.

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