Herzinsuffizienz – die schleichende Gefahr

Die Herzinsuffizienz zählt deutschlandweit zu den häufigsten Erkrankungen. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist sie bei Frauen der häufigste, bei Männern immerhin der vierthäufigste Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Der Begriff Herzinsuffizienz meint eine Herzschwäche infolge einer eingeschränkten Pumpfunktion. Das ist der Fall, wenn das Herz nicht mehr ausreichend sauerstoff- und nährstoffreiches Blut in den Körper pumpen kann bzw. das ankommende verbrauchte Blut nicht vollständig aufnehmen und in den Lungenkreislauf weiterleiten kann. Die Folge: Das Blut staut sich in Lunge und Gewebe.

„Eine Herzschwäche tritt meist als Folge einer anderen Krankheit auf. Die Ursachen sind dabei vielfältig“, weiß Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik für Präventivmedizin nahe Köln und Bonn, eines der führenden Check-up-Zentren in Deutschland. Häufigste Ursachen sind ein unbehandelter Bluthochdruck oder eine Durchblutungsstörung des Herzmuskels (KHK: Koronare Herzkrankheit ). Ebenso kann ein Herzinfarkt, der mehr oder weniger große Bereiche der Herzmuskulatur außer Kraft setzt oder eine gestörte Funktion der Herzklappen dahinter stecken. Ist die Öffnung einer Klappe zu eng (Stenose), lässt sie zu wenig Blut passieren; ist sie hingegen zu weit (Klappeninsuffizienz), fließt Blut in die falsche Richtung zurück. Auch Herzrhythmusstörungen können die Pumpleistung dauerhaft schwächen.

Zahlreiche Krankheiten können zu einer Herzinsuffizienz führen

Weitere Ursachen können ein entzündeter Herzmuskel (Myokarditis) oder ein vergrößerter Herzmuskel sein. Bei einer solchen dilatativen Kardiomyopathie ist meist die linke Herzhälfte (Vorhof und Kammer) krankhaft vergrößert. Dies kann erbliche Gründe haben oder infolge äußerer Einwirkungen entstehen. Zu Letzteren zählen Virusinfektionen, chronisch übermäßiger Alkoholgenuss, Diabetes mellitus, Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bzw. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder rheumatologische Erkrankungen.

Aber nicht das gesamte Herz muss von einer Schwächung betroffen sein. Man unterscheidet die Linksherzinsuffizienz, bei der die Pumpleistung der linken Kammer vermindert ist, so dass sich das Blut in die Lunge zurückstaut. Die Folge sind Husten und Atemnot bis hin zum Lungenödem. Das Gehirn wird mit weniger Sauerstoff versorgt, es kann zu dauernder Müdigkeit und Konzentrationsschwäche kommen oder gar zu Benommenheit, Schwindel und Bewusstseinseintrübungen.

Demgegenüber staut sich bei der Rechtsherzinsuffizienz das Blut zurück in die Körpervenen. Der erhöhte Druck in den Venen führt zu einer Wasseransammlung in den Geweben mit Ödemen vor allem in den unteren Körperbereichen (Beine) oder in der freien Bauchhöhle (Aszites). Nachts kommt es zu vermehrtem Harndrang (Nykturie), weil die Durchblutung der Nieren im Liegen zunimmt und gleichzeitig mehr Flüssigkeit aus den Geweben zurückfließt.

Schon bei ersten Anzeichen zum Arzt

Da die Symptome einer Herzinsuffizienz nicht immer eindeutig sind, gehen viele Patienten mit Risikofaktoren zu spät zum Arzt. „Oft verspüren Patienten im frühen Stadium einer Herzschwäche gar keine Beschwerden. Andere machen ihr fortschreitendes Alter für Symptome wie schnelle Erschöpfung oder Kurzatmigkeit verantwortlich. Die ersten Beschwerden einer schleichenden Herzinsuffizienz treten kaum merkbar auf. Daher wird die Krankheit häufig verschleppt. Bei der Diagnosestellung befindet sie sich dann oftmals bereits in einem fortgeschrittenen Stadium“, berichtet Dr. Reinhold Lunow aus seiner langjährigen Erfahrung.

Zunächst nur bei besonderer körperlicher Belastung, etwa beim Sport oder bei der Gartenarbeit, treten die Leitsymptome Atemnot, Schwäche und Erschöpfung auf. Je nach Schweregrad kommen Unruhe, ein schneller Puls, Herzrasen, Husten bei Anstrengung und ein starkes Bedürfnis nach frischer Luft hinzu. Nachts stellt sich oft ein Asthma cardiale mit anfallsartiger Luftnot aufgrund einer Stauung im Lungenkreislauf ein.

Zunächst entwickelt der Körper vielfältige Ausgleichsprozesse, um die verminderte Pumpleistung des Herzens auszugleichen – man spricht von einer kompensierten Herzinsuffizienz. Anzeichen sind ein schnellerer Herzschlag, die Verdickung des Herzmuskels, eine Engstellung der Blutgefäße oder auch die Vermehrung des Blutvolumens. Helfen derartige Mechanismen nicht mehr, entsteht eine dekompensierte Herzinsuffizienz: Es kommt zu pathologischen Wasseransammlungen (Ödemen) und Luftnot bereits in Ruhe oder bei nur geringer Belastung.

Moderne Untersuchungsmethoden für eine schnelle und sichere Diagnose

Da es sich bei der Herzinsuffizienz – abgesehen von akuten Ereignissen wie Herzinfarkt oder Lungenembolie – in der Regel um eine schleichende Erkrankung handelt, kann man ihr aktiv entgegenwirken. Voraussetzung ist, die persönlichen Risikofaktoren zu identifizieren und auf dieser Basis angemessene Gegenmaßnahmen einzuleiten. Allerdings kann nur der Arzt letztendlich feststellen, ob sich hinter einem Symptom tatsächlich eine Herzschwäche verbirgt und wie weit fortgeschritten sie ist.

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„Daher erheben wir zunächst die Krankengeschichte, gefolgt von einer gründlichen körperlichen Untersuchung. Für eine genaue Diagnose untersuchen wir auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Klinische Zeichen wie gestaute Halsvenen, eine Lungenstauung oder Ödeme zählen ebenso dazu wie die Herzuntersuchung mittels Echokardiografie“, erläutert Dr. Lunow die Vorgehensweise. Bei diesem sogenannten „Herzecho", einer Ultraschalluntersuchung, kann der Arzt sehr schnell Größe und Leistungsvermögen des Herzens beurteilen und auch Ursachen einer Herzinsuffizienz erkennen. Weitere wichtige Untersuchungsmethoden sind das EKG (Elektrokardiogramm) in Ruhe und unter Belastung. Dr. Lunow hält auch viel von der sogenannten Stressechokardiographie. Hierbei handelt es sich um eine Ultraschalluntersuchung des Herzens unter gleichzeitiger Belastung auf dem Fahrradergometer. „ Bei dieser Untersuchung können wir die Funktion des Herzmuskels während der Belastung mit Ultraschall messen“, betont Dr. Lunow.

Seit einigen Jahren steht mit einer Blutuntersuchung, dem sog. Pro-BNP ein Schnelltest zur Verfügung, der innerhalb von wenigen Minuten die Verdachtsdiagnose Herzinsuffizienz bestätigen oder ausschließen lässt. Dies ist gerade bei Patienten, die Luftnot haben wichtig, da diese auch durch eine Lungenerkrankung bedingt sein kann. Außerdem hilft das Pro-BNP als Herzmarker den Schweregrad der Herzinsuffizienz einzuschätzen.

„Die Therapie der Herzinsuffizienz zielt immer darauf ab, die Ursache zu beseitigen und eine Entlastung des Herzens von seiner Arbeit zu erreichen“, so Dr. Lunow. Hierzu eignet sich eine Verringerung der zirkulierenden Flüssigkeit im Blutkreislauf, etwa durch eine eingeschränkte Trinkmenge oder die Gabe wasserausscheidender Medikamente (Diuretika). Die Herzfrequenz lässt sich durch Beta-Blocker regulieren, die Stresshormone (Noradrenalin, Adrenalin) blockieren und so Puls und Blutdruck senken. Auch der Einsatz von ACE-Hemmern bietet sich an: Die Gefäße werden weniger verengt, der Blutdruck sinkt, ungünstige Umbauvorgänge am Herzmuskel werden reduziert und weniger Natrium und Wasser im Körper zurückgehalten. Auch zur Verlaufs- und Therapiekontrolle der Herzinsuffizienz ist die Bestimmung des Pro-BNP im Blut gut geeignet.

Liegt ein Herzklappenfehler vor, sollte darüber hinaus ein operativer Klappenersatz erwogen werden. Ist eine koronare Herzkrankheit ursächlich für die Herzinsuffizienz, kann eine Ballondilatation, gegebenenfalls mit Stentversorgung, oder eine Bypassoperation angezeigt sein.

Frühzeitige Vorsorge gegen Herzschwäche

Je früher man sich einer Check-up-Untersuchung unterzieht, umso eher helfen aber schon einfache Maßnahmen. „Allein durch Änderungen des Lebensstils lässt sich die Gefahr einer Herzinsuffizienz verringern“, sagt Dr. Lunow. „Etwa der Verzicht auf Nikotin, eine reduzierte Aufnahme von Kochsalz, Gewichtabnahme, mehr Bewegung und weniger Stress wirken positiv auf unser Herz. Daher sollte man sich frühzeitig ärztlich untersuchen und beraten lassen.“

(Bild: Spectral-Design/Fotolia.com)

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