Bluthochdruck rechtzeitig erkennen und behandeln

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine Zivilisationskrankheit. Nach Schätzungen der Deutschen Hochdruckliga (DHL) leiden hierzulande rund 20 Millionen Menschen an dieser Erkrankung. Zieht man die Blutdruckwerte der über 55-Jährigen heran, ist bundesweit durchschnittlich jeder Zweite vom Hochdruck betroffen. Das Risiko für eine Hypertonie steigt mit wachsendem Lebensalter an. Doch Bluthochdruck kann bereits bei jungen Menschen auftreten – aufgrund von Übergewicht und Bewegungsmangel nimmt die Anzahl betroffener Kinder und Jugendlicher in den letzten Jahren stetig zu.

Allerdings wissen viele gar nichts von ihrer Erkrankung, denn Bluthochdruck macht – abgesehen vom akuten Notfall der hypertensiven Krise – zunächst keine Beschwerden. „Etwa 50 % der Betroffenen wissen nicht, dass sie zum Patientenkreis zählen. Aber mit einem chronisch erhöhten Blutdruck steigt das Risiko für Schäden an lebenswichtigen Organen wie Herz, Gehirn, Nieren und Augen. Es drohen Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Schlaganfall, Nierenschwäche oder Einbußen des Sehvermögens“, erklärt Dr. Reinhold Lunow, Internist und ärztlicher Leiter der Praxisklinik für Diagnostik und Präventivmedizin in Bornheim nahe Köln und Bonn.

Bluthochdruck verursacht Herzmuskelschwäche und Schlaganfall

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Ist der Blutdruck zum Beispiel über Jahre hinweg erhöht, muss das Herz kräftiger arbeiten, um das Blut in die Hauptschlagader (Aorta) zu pumpen. Entsprechend passt sich der Herzmuskel auf Dauer dieser erhöhten Beanspruchung an und verdickt sich. Außerdem bildet sich vermehrt Bindegewebe zwischen den Muskelfasern aus. Durch diese Umbauvorgänge wird der Herzmuskel insgesamt steifer. Ein weiteres Problem: Die Durchblutung des Herzmuskels hält mit seinem Wachstum nicht Schritt. Häufig sind durch den Hochdruck auch die kleineren, im Herzmuskel verlaufenden Arterien eingeengt, so dass die tieferen Schichten des Herzmuskels nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Mit der Zeit entwickelt sich eine chronische Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) mit Erweiterung der Herzkammern. Herzrhythmusstörungen und Vorhofflimmern sind die Folge. Schließlich befördert Bluthochdruck die Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) auch der Herzkranzgefäße, ein großer Risikofaktor für eine koronare Herzkrankheit (KHK) mit schmerzhafter Brustenge (Angina pectoris) und für einen Herzinfarkt.

Da Bluthochdruck die Entstehung von Arteriosklerose begünstigt, ist er auch der wichtigste Risikofaktor für den Schlaganfall. Der Verschluss eines Hirngefäßes wird oft durch ein Blutgerinnsel verursacht, das sich von einer Gefäßwandverkalkung im Inneren einer Halsschlagader oder der großen Körperschlagader abgelöst hat.

Ist der Blutdruck chronisch erhöht, reagiert der Körper darauf mit einer Erhöhung des Sollwerts: Die Druckrezeptoren, die einen rein situativ erhöhten Blutdruck durch Weitstellung der Gefäße automatisch herunterregulieren (Barorezeptorreflex), gewöhnen sich an den höheren Druck – und registrieren ihn als normal. Sie stellen die Gefäße jetzt nur noch bei Blutdruckwerten oberhalb des chronisch erhöhten Druckes weit. Durch die chronische Druckbelastung vermehren sich die Muskelzellen in der Arterienwand weiter, so dass der Widerstand und damit auch der Blutdruck weiter zunimmt – ein Teufelskreis, der die Situation zunehmend verschärft.

Ein hoher Blutdruck wird oft zu spät erkannt

„Bluthochdruck wird oft zu spät erkannt bzw. überhaupt nicht als offensichtliche Belastung wahrgenommen. Denn mögliche Auswirkungen führen die Betroffenen meist nicht auf einen erhöhten Blutdruck zurück“, berichtet Dr. Lunow aus seiner Praxiserfahrung.

Ein- und Durchschlafstörungen, leichte Erregbarkeit, innere Unruhe, Kopfschmerzen oder Schwindelgefühle – derlei Symptome können für einen Bluthochdruck sprechen. Bei Frauen um die 50 können Anzeichen wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen den Wechseljahresbeschwerden ähneln. Bei Männern im mittleren Alter können Potenzprobleme auf einen unbehandelten Bluthochdruck hinweisen. „Spätestens, wenn solche Warnzeichen auftreten, sollte man zur Abklärung einen Internisten aufsuchen“, rät Dr. Lunow.

Um einer Hypertonie auf die Spur zu kommen, genügt nicht eine einmalige Blutdruckmessung. Es empfiehlt sich, mehrmals und zu verschiedenen Tageszeiten den Blutdruck unter normalen Belastungsbedingungen zu messen und so ein Tagesprofil zu erstellen. Als weitere Untersuchungen kommen eine Langzeit-Blutdruck-Messung oder ein Belastungs-EKG infrage. Zur Bestimmung des Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt: der systolische und der diastolische Blutdruck. Der systolische Druck (oberer Messwert) entspricht dem während der Anspannungs- und Auswurfphase der linken Herzkammer maximal entwickelten Druck. Der diastolische Blutdruck (unterer Messwert) entspricht dem niedrigsten Druck während der Entspannungs- und Erweiterungsphase des Herzmuskels, wenn sich die Herzkammern mit neuem Blut füllen. Laut DHL ist der Blutdruck bei einem Wert von 120/80 mmHg optimal. Bei Belastung steigt er, im Normalzustand sinkt der Blutdruck wieder ab. Eine Hypertonie liegt dann vor, wenn der Blutdruck ohne Belastung nicht unter 140/90 mmHg sinkt.

Eine wichtige Untersuchung um frühzeitig Verkalkungen der Halsschlagadern zu erkennen, ist die Ultraschalluntersuchung in Farbdoppler–Technik. Ein Bauchaortenaneurysma (gefährliche Gefäßerweiterung) sollte mit dieser Untersuchungstechnik ebenfalls ausgeschlossen werden.

Auch eine Echokardiographie zur Beurteilung der Herzmuskulatur ist unerlässlich. Letztendlich wird die Entscheidung, ob eine Therapie notwendig ist, nach Auswertung vieler Untersuchungsergebnisse getroffen. Laborwerte, Belastungs-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Messung der Gefäßelastizität und vieles mehr. Wir empfehlen deshalb einen kompletten Gesundheitscheck. Viele kleine Mosaiksteinchen ergeben dann ein genaues Bild über das individuelle Risikoprofil.

Blutdruck lässt sich gut einstellen

„Heutzutage gibt es eine Vielfalt äußerst wirksamer Medikamente zur Senkung des Blutdrucks“, rät Dr. Lunow. „Aber auch Änderungen in den Lebensgewohnheiten sind hilfreich, z. B. der Verzicht auf das Rauchen und die Aufnahme von weniger Kochsalz und Alkohol. Übergewichtige Hochdruck-Patienten sollten ihre Ernährung anpassen, denn auch zu viele Pfunde belasten den Kreislauf stark. Ebenso erhöht sich bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Diabetes durch Bluthochdruck das Risiko für einen Infarkt dramatisch. Hier ist eine gute Blutdruckeinstellung dringend angeraten.“

Zwar kann die Einstellung des richtigen Blutdrucks durch Medikamente ein paar Tage brauchen, schließlich ist der Körper den erhöhten Blutdruck gewöhnt. Aber eine unbehandelte Hypertonie führt letztendlich zu einer gefährlichen Schädigung des Körpers. Spürt man die Folgen, ist diese Schädigung meist unumkehrbar. „Daher sollte man regelmäßig im Rahmen eines umfassenden Gesundheits-Checks auch einen Bluthochdruck ausschließen lassen. Denn rechtzeitig behandelt, kann man die Krankheit in den Griff bekommen“, so Dr. Lunow.

(Foto: Christoph Hänel/fotolia.com)

 

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