Bei Soja-Produkten zählt die Ausgewogenheit

Zurzeit wird intensiv über Stoffe diskutiert, die über die Nahrung in unseren Körper gelangen und auf das Hormonsystem wirken. Hierzu zählen auch Soja-Produkte, denn Soja enthält Isoflavone (Phyto-Östrogene), pflanzliche Hormone, vor allem Genistein und Daidstein. Ob in Tofu-Wurst, als Soja-Drink oder in der vegetarischen Küche: Immer häufiger nehmen wir sie auf, da Soja als Ersatz für Fleisch und Milch auf dem Vormarsch ist.

Grundsätzlich gelten Soja-Produkte als gesundheitsförderlich: zur Senkung des Cholesterinspiegels, antioxidativ gegen bestimmte Krebsarten sowie als Schutz vor Herz- und Kreislauferkrankungen. Auch Nahrungsergänzungsmittel, also Supplemente, mit Phytoöstrogenen aus Soja stehen hoch im Kurs bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden, etwa Hitzewallungen, Nachtschweiß sowie zum Schutz vor Osteoporose.

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Dies liegt an der Fähigkeit von Phyto-Östrogenen, an Östrogenrezeptoren zu binden und dadurch ähnliche Effekte wie körpereigene Östrogene auszulösen. Manche Brustkrebsart ist jedoch hormonabhängig und kann in ihrem Wachstum also auch von Östrogenen angeregt werden. Die Wirkung von Phytoöstrogenen als Hormonersatztherapeutika in größeren Mengen bei Frauen in und nach der Menopause ist daher umstritten.

Wirkung von Soja bei Menopause umstritten

„Zum Schutz vor hormonabhängigen Krebs- und Schilddrüsenerkrankungen sollte man bei der Einnahme besonders großer Mengen Soja vorsichtig sein. Das gilt ebenso für die Einnahme von Isoflavon-Supplementen über einen längeren Zeitraum“, sagt Dr. Reinhold Lunow. Der Internist und ärztliche Leiter der Praxisklinik für Diagnostik und Präventivmedizin in Bornheim und Swisttal nahe Köln und Bonn weiß auch: „Der moderate Verzehr von Soja stellt jedoch kein Risiko dar.“

Eine Schutzwirkung gegen Brustkrebs scheint nur dann gegeben, wenn die Isoflavone bereits während der Pubertät aufgenommen werden. Allerdings ist Vorsicht geboten, Kindern und Jugendlichen vermehrt Phytoöstrogene zu verabreichen. Soja-basierte Milch ist für gesunde Säuglinge ungeeignet und kann Entwicklungsstörungen durch Nährstoffdefizite wie Energie- und Proteinmangel nach sich ziehen. Auch gibt es Hinweise darauf, dass diese Kinder später als Jugendliche und Erwachsene häufiger unter Allergien und Menstruationsstörungen leiden können.

Soja kann Allergien verstärken

Bei entsprechend disponierten Menschen kann Soja eine Lebensmittelallergie mit schweren allergischen Reaktionen auslösen. Vor allem Birkenpollen-Allergiker sind gefährdet. Typische Symptome sind Juckreiz und Schwellungen auf der Mund- und Rachenschleimhaut unmittelbar nach dem Verzehr von Soja-Produkten. Hautreaktionen wie Nesselausschlag, Quaddeln, Neurodermitis oder Ekzeme sind ebenso möglich wie Magen-Darm-Beschwerden, schlimmstenfalls sogar ein anaphylaktischer Schock.

Auslöser der allergischen Reaktion ist bei einer Primärallergie das Soja-Eiweiß selbst, bei einer Kreuzallergie ein ähnliches Eiweiß wie bei der Birkenpollen-Allergie. „Allergiker sollten sich vor dem Verzehr von Soja ärztlich untersuchen lassen, um gefährliche allergische Symptome zu vermeiden“, sagt Dr. Lunow.

Möchte man die gesundheitsschützende Wirkung von Soja nutzen, sollte man auf eine ausgewogene Ernährung setzen. „Die in Soja enthaltenen Isoflavone entfalten ihre Wirkung wie viele sekundären Pflanzenstoffe offenbar am besten, wenn man sie im Komplex zu sich nimmt statt isoliert als Nahrungsergänzungsmittel“, so Dr. Lunow. „Die über die Nahrung aufgenommene Isoflavonkonzentration ist so gering, dass eine hormonelle Wirkung im menschlichen Körper nicht nachweisbar ist. Nutzen Sie bei Fragen dazu auch die Ernährungsberatung der Praxisklinik Bornheim.“(Bild: Igor Dutina/fotolia.de)

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