Bei grippalem Infekt droht Herzmuskelentzündung

Winterzeit ist Erkältungszeit. Damit steigt auch das Risiko, sich mit einem eher harmlosen Infekt eine gravierende Herzerkrankung einzuhandeln. Umso wichtiger ist es, einen grippalen Infekt richtig auszukurieren. Denn die Viren und Bakterien breiten sich nicht nur in den oberen Atemwegen, also Hals-, Nasen und Rachenraum aus.

„Die Viren gelangen über das Blut in den ganzen Körper – bis hin zum Herzmuskel, das Myokard“, erläutert Dr. Reinhold Lunow, ärztlicher Leiter der Praxisklinik für Vorsorge und Diagnose in Bornheim zwischen Köln und Bonn. „Dort können sie dann ebenfalls Entzündungsprozesse auslösen, es kommt zu einer Myokarditis.“

Die Folgen sind dramatisch: Die Leistungsfähigkeit des Herzens nimmt dauerhaft ab, chronische Herzrhythmusstörungen können sich einstellen. Eine Myokarditis ist oft auch Ursache für einen plötzlichen Herztod. „Dies gilt selbst für trainierte Sportler. Wer trotz Infekt körperlich aktiv ist und den Kreislauf belastet, riskiert viel“, warnt Dr. Lunow.

Bei Herzstolpern oder Atemnot zum Arzt

Immerhin 5 % aller Infekte gehen auch auf den Herzmuskel über. Daher ist es wichtig, bereits erste Warnhinweise ernst zu nehmen: Atemnot, Brustschmerzen, Herzstolpern, Müdigkeit, ein allgemeines Unwohlsein, Appetitlosigkeit oder Gliederschmerzen können Signale für eine Myokarditis sein.

Oft geht eine Entzündung des Herzmuskels nur mit leichten oder gar keinen Beschwerden einher. Oder die Symptome lassen sich nur schwer von denen der auslösenden Erkältung unterscheiden. Daher sollte man nicht zögern, bei den entsprechenden Signalen vorsichtshalber den Arzt aufzusuchen. Dies gilt auch für den Fall, dass die Erkältung länger als 14 Tage anhält.

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Genaue Diagnose der Herzmuskelentzündung

Um eine Herzmuskelentzündung zu diagnostizieren, wird bei der Blutuntersuchung besonderes Augenmerk auf Laborwerte gelegt, die als Entzündungsmarker gelten: Blutsenkung, CRP oder das Blutbild. Herzmuskelenzyme wie CK oder CK-MB sowie das Troponin zeigen den Untergang von Herzmuskulatur an. Der sogenannte pro BNP-Test kann eine beginnende Herzschwäche frühzeitig aufdecken.

Im EKG sind oft eine beschleunigte Herzfrequenz und Herzrhythmusstörungen zu beobachten, die anfallsartig oder auch permanent auftreten können. Außerdem treten Veränderungen der ST-Strecke und der T-Welle auf. Um die Herzrhythmusstörung genau abzuklären, ist gegebenenfalls auch ein Langzeit-EKG notwendig.

Von besonderer Bedeutung zur Diagnose ist die Echokardiographie: ein Ultraschall des Herzens. Hiermit kann frühzeitig eine verminderte Pumpleistung des Herzens diagnostiziert werden. Bereits in der Anfangsphase kann eine eher milde von einer schweren Verlaufsform einer Myokarditis unterschieden werden. Oft ist bei der Entzündung des Herzmuskels auch der Herzbeutel (Perikard) beteiligt, in dem sich Flüssigkeit ansammelt (Perikarderguss). Solch eine Perikarditis ist in der Echokardiographie gut erkennbar.

Sollten Blutbild, EKG und Echokardiographie eine Herzmuskelentzündung nicht ausschließen lassen, kann unter Umständen eine Kernspintomographie des Herzens (Kardio-MRT) indiziert sein.

Bei Infekt keinen Sport oder körperliche Belastung

„Um einen Infekt richtig und konsequent auszukurieren, sollten Sie vor allem viel schlafen und körperliche Anstrengungen generell vermeiden“, empfiehlt Dr. Lunow. „Dazu zählt ebenso die Vermeidung von Stress.“ Ebenso sind Alkohol und Nikotin tabu. Denn auch wenn man den Infekt auskuriert hat, können sich die Erreger weiter im Herzmuskel ausbreiten und das Gewebe schädigen. „Verzichten Sie daher die nächsten zwei bis vier Wochen auf Sport und schwere körperliche Arbeit. Sorgen Sie für Entspannung“, rät Dr. Lunow.

Grundsätzlich gilt: Mit einer bestehenden Herzkrankheit, etwa einer Herzschwäche, einer koronaren Herzkrankheit oder nach einem Herzinfarkt, sollte man im Winter nicht im Freien trainieren. Fragen Sie Ihren Arzt, wann und unter welchen Bedingungen Sie in der kalten Jahreszeit gefahrlos Sport treiben dürfen.

(Bild: marilega/Fotolia.com)

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